Smartphone-Diebstähle in Europa

Was wirklich passiert, wenn das Telefon gestohlen wird

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Es lässt sich nicht leugnen: Seit es Smartphones gibt, ist deren Diebstahl ein ernstes Thema. Das Problem wird von Industrie, Behörden und Technologie-Unternehmen nicht auf die leichte Schulter genommen. Schon 2002 war Europa ganz vorne mit dabei, als die GSM Association eine Datenbank gestohlener Smartphones veröffentlichte, die auf allen Netzwerken blockiert werden konnten. 2004 führte Großbritannien die National Mobile Phone Crime Unit ein, um das Problem besser zu überwachen.

Auch in Deutschland werden immer mehr Smartphone-Besitzer Opfer von Diebstählen. Laut offiziellen LKA-Zahlen, nehmen die gemeldeten Vorfälle jedes Jahr weiter zu und erreichten 2013 einen neuen, traurigen Rekord von 236.500 gestohlenen Modellen. 2012 waren es noch 166.274 dokumentierte Diebstähle, ein Jahr zuvor „nur“ 127.453.

Doch nicht nur Behörden haben nach Lösungen gesucht, es wurden auch einige technische Neuerungen angestrebt. Kürzlich kündigte die amerikanische CTIA - The Wireless Association - eine freiwillige Selbstverpflichtung gegen Smartphone-Diebstahl an, wonach ab Juli 2015 alle für den Verkauf hergestellten Smartphones in Amerika über eine sogenannte "Kill-Switch"-Technologie verfügen müssen. Mit diesem System lassen sich Smartphones aus der Ferne deaktivieren und alle sich darauf befindlichen Daten löschen. Ein Kill-Switch ist ein Schritt in die richtige Richtung, um Smartphone-Diebstähle in den USA (und hoffentlich auch weltweit) zu verringern. Die fortlaufenden Bemühungen vonseiten der Industrie, Smartphone-Besitzer zu schützen, können wir nur loben.

Phone Theft in Europe ist eine Studie, die von der Deutschen Telekom und Lookout initiiert und von der IDG Research durchgeführt wurde. Die Studie befragte Opfer von gestohlenen Smartphones und untersucht den grassierenden Smartphone-Diebstahl in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Der Bericht beleuchtet die regionalen Unterschiede und beschreibt, wie, wann und wo Smartphones gestohlen werden, wie Betroffene auf den Diebstahl reagieren und was sie unternehmen, um ihr Smartphone zurückzubekommen.

Die Umfragemethode

Im Auftrag der Deutschen Telekom und von Lookout wurde die Umfrage vom 4. bis 20. März 2014 von IDG Research durchgeführt. Die Umfrage richtete sich an Personen in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die nach eigenen Angaben ein Smartphone besitzen. Quoten wurden festgesetzt, um sicherzugehen, dass rund 500 Befragten (2403 vollständige Antworten) aus jedem Land irgendwann ein Smartphone gestohlen wurde, während weitere 100 Befragte aus jedem Land an der Umfrage teilnehmen durften, obwohl ihnen noch nie ein Smartphone gestohlen wurde.

Smartphone-Diebstahl bleibt ein Problem

Jeder kennt irgendwen, dem schon mal ein Smartphone gestohlen wurde. Vielleicht wurde es auf dem Tisch im Café liegen lassen und als der Smartphone-Besitzer zurückkamen, war das Gerät nicht mehr da. Oder jemand hat auf dem Heimweg von der Arbeit in die Tasche eines Fremden gegriffen - jedem von uns kann das mal passieren - leider auch immer öfter.

So rät die Deutsche Telekom und Lookout: Verstauen Sie das Smartphone sicher. In Großbritannien, Frankreich und Deutschland werden Smartphones häufig direkt aus der Hand, der Hosen- oder Jackentasche sowie der Handtasche geklaut. (28% in Großbritannien, 32% in Frankreich, 26% in Deutschland).

Wo Smartphones geklaut werden, ist von Land zu Land unterschiedlich. In Großbritannien werden die meisten Smartphones in Bars, Pubs oder Clubs gestohlen (23%). In Frankreich schlagen Diebe am häufigsten in öffentlichen Verkehrsmitteln zu (17%).

Die goldene Stunde nach dem Smartphone-Diebstahl

Selbst in Städten werden überraschenderweise die meisten Smartphones nicht nachts gestohlen, sondern zwischen 12:00 und 17:00 Uhr - das gilt für Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Allgemein wird der Diebstahl nicht sofort bemerkt. In Deutschland fiel er bei 86% der Befragten nicht sofort auf, in Großbritannien immerhin bei nur 78%, in Frankreich bei 69% der Betroffenen.

Je früher der Besitzer merkt, dass sein Smartphone weg ist, desto höher ist die Chance, es wiederzubekommen. Die ersten 60 Minuten nach dem Diebstahl sind entscheidend. Die meisten Diebe sind nicht dumm: Damit sie nicht verfolgt werden, schalten sie wenige Sekunden nach dem Diebstahl das Smartphone aus, wechseln in den Flugmodus oder entfernen die SIM-Karte. Dadurch kann der Besitzer das Smartphone nicht mehr anrufen oder zurückverfolgen.

Die Hemmschwelle der Betroffenen sinkt nach einem Diebstahl deutlich

Wenn das Smartphone gestohlen wird, ergreifen die meisten Besitzer sofort die Initiative, um es wiederzubekommen. Obwohl Selbstjustiz keine intelligente Lösung ist, geht die Mehrheit der Betroffenen bewusst ein gewisses Risiko ein, um ein gestohlenes Gerät und die darauf gespeicherten persönlichen Daten zurückzubekommen. Die Deutschen sind mit 89% am unvorsichtigsten (vergleichen mit Briten (71%) und Franzosen (68%), wenn es darum geht, sich ihr gestohlenes Smartphone zurückzuholen.

In Frankreich greifen Opfer von Smartphone-Diebstählen zu umfassenden Maßnahmen. Die meisten meldeten den Diebstahl ihren jeweiligen Mobilfunkanbietern (74%) und der örtlichen Polizei (71%). Schlusslicht stellt Deutschland dar: nur 58% der Befragten meldeten den Diebstahl ihrem Mobilfunkanbieter und 63% der Polizei. Stattdessen griffen 26% der Deutschen bei einem Smartphone-Diebstahl zu einer App, mit der sich das Smartphone orten lässt (17% in Frankreich, 19% in Großbritannien).

Von den Opfern, die nichts unternahmen, um ihr Smartphone wiederzubekommen, gab die Mehrheit der Briten (56%) bzw. Franzosen (45%) an, man könne nichts dagegen tun. Die Deutschen hingegen fühlten sich der Situation weniger hilflos ausgesetzt (25%). Ein anderer wichtiger Grund, warum Betroffene nicht handelten, war die Unwissenheit, was in so einem Fall zu tun ist (25% Großbritannien, 35% Frankreich, 33% Deutschland).

Unter allen Befragten war die Kenntnis über die IMEI (International Mobile Station Equipment Identity), also eine einmalige Seriennummer, über das ein gestohlenes Smartphone am leichtesten zurückverfolgt werden kann, besonders groß: 61% Großbritannien, 72% Frankreich, 49% Deutschland. In den USA wussten hingegen nur 39% der Opfer, dass ihr mobiles Gerät eine solche Seriennummer besitzt.

Tipps für Verbraucher

Was Sie tun können? Eine Menge!
Sollte das Gerät einmal doch in die falschen Hände geraten, hier ein paar Tipps, damit Ihr Smartphone nicht geklaut wird und die Daten geschützt bleiben:

1. Richten Sie eine Zugangssperre ein und laden Sie eine Sicherheits-App herunter wie z. B. Lookout, mit der Sie Ihr Gerät aus der Ferne orten, sperren und alle Daten löschen können, bevor diese in kriminelle Hände geraten.

2. Seien sie wachsam. Sie sollten immer wissen, wo sich ihre persönlichen Gegenstände befinden. Jemand, der chattet, Musik hört oder telefoniert, ist für Diebe leichte Beute. An öffentlichen Plätzen sollten Sie Ihr Smartphone nicht offen herumliegen lassen - auch nicht, wenn Sie nur schnell an der Theke Ihren Kaffee holen!

3. Wenn Ihr Smartphone gestohlen wurde, verwenden Sie eine App wie Lookout, um:

  • ein verlorenes bzw. gestohlenes Smartphone übers Web auf einer Karte zu orten oder eine laute Sirene auszulösen
  • Daten zu sperren/zu löschen, bevor ein Dieb die Möglichkeit hat, auf vertrauliche Informationen zuzugreifen
  • zu sehen, wer Ihr Smartphone hat. Wenn jemand Ihr Passwort dreimal falsch eingibt, macht die Lock Cam von Lookout mit der Kamera des Smartphones ein Foto vom Dieb und sendet das Bild und eine Karte mit dem genauen Standort an Ihre E-Mail-Adresse.

4. Melden Sie den Diebstahl sofort der Polizei. Stellen Sie möglichst viele Informationen bereit, um den Behörden bei der Suche zu helfen. Kontaktieren Sie als nächstes Ihren Mobilfunkbetreiber, um den Diebstahl zu bzw. einen Versicherungsfall zu melden. Verfolgen Sie einen Smartphone-Dieb auf keinen Fall auf eigene Faust. Selbstjustiz ist keine Lösung.

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